Angst, Faszination oder Entspannung im Berg?

Liebe Leute, es ist ja allgemein bekannt, dass ich ein bisschen Höhenangst habe, aber was ist mit Tiefenangst? Platzangst? Angst im Finstern?

Ich habe mich dem allen gestellt, um es herauszufinden – im Salzbergwerk Berchtesgaden.

Die Fahrt dorthin ist das reinste Auf und Ab, oder besser das reinste Hin und Her zwischen orange und dunkellila auf meiner ABIOS-App: Der Bus hat Verspätung, ich komme nicht rechtzeitig – ich bin NICHT entspannt.

Dann bei der Ankunft: Wo ist meine Gruppe, wie komme ich in diesen wunderbaren Overall rein und Moment, ich muss ja vorher noch aufs Klo.

Zwischendurch schüttle ich über mich selbst den Kopf. Anna, wann wirst du endlich zeitlich ein bisschen organisierter sein…

Ich habe keine Zeit, die Frage zu beantworten, denn die Führung durch das Salzbergwerk geht los. Wir starten im Petersbergstollen relativ hoch im Berg. Die Luft ist kühl, aber erfrischend, ich spüre eine leicht kindliche Aufregung in mir.

Nach dem ersten langen Fußmarsch in den Berg hinein bin ich erstaunt: Die Enge der Wege macht mir nichts aus, auch die Dunkelheit abseits unserer Stirnlampen finde ich eher spannend als beklemmend. Ich fühle mich offensichtlich wohl im Berg. Vielleicht ist an mir ein kleiner Bergzwerg verloren gegangen, man kann nie wissen.

ABIOS bestätigt mir, was ich wahrnehme: Je tiefer wir in das Bergwerk hineingehen, desto besser entspanne ich mich. Zwar wird der Belastungswert regelmäßig orange, wenn wir längere Strecken durch die Stollen gehen, doch insgesamt wird mein Puls immer ruhiger und die Entspannungsphasen immer grüner bzw. blauer. Vielleicht wäre Bergfrau eine Berufsoption für mich, wenn mich das Fotografieren nicht mehr so begeistert? Dann könnte ich die Wände mit den kunstvollen Mustern, die das Salz über die Jahrmillionen gestaltet hat, öfter bewundern.

 

 

Es wäre tatsächlich eine Möglichkeit, wäre da nicht dieses gigantische Sohlebecken. Unter dem Fels erstreckt es sich weiter als ich trotz Scheinwerfer sehen kann, an der tiefsten Stelle ist es 15 Meter tief, auf der Hängebrücke über diesem finsteren Nass spielen meine Gedanken und unbegründeten Ängste verrückt. Ich werfe einen verstohlenen Blick auf die App, bestimmt ist mein Entspannungswert gerade im Keller.

Grün.

Wie bitte? „Normaler Status“? Kein erhöhter Puls?

Ich denke kurz nach und rüge mich selber: Anna, du musst dich nicht überall hineinsteigern, was theoretisch bedrohlich sein könnte. Entspann dich.

De facto bin ich ja sogar schon entspannt. Beim Zurückgehen wackelt die Hängebrücke über dem Sohlebecken und schlägt immer wieder an den Fels auf der einen Seite. Anstatt Angst zu haben, genieße ich die Abenteuerlust, die in mir aufkeimt. Irgendwie hat so ein See im Bergwerk nicht nur eine schaurige sondern auch eine sehr schöne Seite.

By | 2017-08-03T09:55:57+00:00 August 3rd, 2017|Life Blog|Kommentare deaktiviert für Angst, Faszination oder Entspannung im Berg?