Anna am Untersberg

Ich hab Anna für heute freigegeben, Selbstbeurlaubung sozusagen. Arbeitsfrei, kinderfrei, beziehungsfrei. Das hat zur Konsequenz, dass ich nicht zuhause bleiben kann, denn da ist mein Freund Stefan mit unserer Tochter Linda.

5:45 Uhr.

Kein Wecker läutet, meine Tochter schläft ausnahmsweise noch und Stefan schnarcht nicht einmal. Und anstatt mich endlich einmal auszuschlafen, bin ich hellwach.

Der Blick aus dem Fenster präsentiert zu dieser nächtlichen Stunde schon einen erstaunlich blauen und wolkenlosen Himmel, hinter den Bäumen erahne ich ein paar Bergspitzen, die auf die ersten Abenteurer warten.

Ich halte inne.

Warum eigentlich nicht.

Plötzlich bin ich hellwach, werfe mich in einem Hui in mein Sportgewand, hole die Bergschuhe aus dem Kasten und schwinge mich auf mein Rad Richtung Untersberg. ABIOS begleitet mich, ich möchte wissen, wie fit ich nach meiner langen Bergabstinenz noch bin, weil das Bergwerk zählt in dem Fall nicht.

Nach einer halben Stunde bergauf gehen hab ich meine erste kleine Krise. Warum ist das so anstrengend? Ein Blick auf die Uhr gibt mir die Antwort: Um 8.00 Uhr sitze ich meistens in meinem Büro, jetzt im Sommer manchmal auch erst am Frühstückstisch bei der Zeitung mit einer spielenden Linda im Hintergrund.

Aber umkehren ist für mich sowieso keine Option, wenn ich mir etwas vorgenommen habe, dann will ich es auch erreichen, zumindest am Berg. Und den Gipfel mit einer traumhaften Aussicht hab ich mir definitiv vorgenommen.

Nach der nächsten Kehre werde ich mit einem traumhaften Blick belohnt: Über den Holzstufen bahnt sich die Morgensonne ihren Weg durch die Baumwipfel. Stairway to heaven. So würde ich dieses Bild betiteln.

Mit neuer Energie gehe ich weiter, einen Schritt nach dem anderen, Stufe um Stufe. Mein Puls rangiert bei den anstrengenden Passagen in meinen Augen fast fernab von Gut und Böse, beruhigt sich aber bei meinen kurzen Pausen sehr schnell wieder, das ist ein gutes Zeichen.

Beinahe mit jedem Höhenmeter merke ich, wie meine Gedanken einfach vor sich hinfließen, mein Körper sich mehr und mehr auf den Berg einstellt und es mich mehr und mehr nach oben zieht. Die letzten Meter fühlen sich an als wäre ich gerade erst aufgestanden, so frisch wirke ich auf mich selber. Das Gipfelkreuz des Salzburger Hochthrons heißt mich auf 1853 m willkommen. Ich gehe fürs Erste daran vorbei, suche mir ein Plätzchen fernab von den anderen Wanderern und Touristen, lege mich ins Gras und genieße die Aussicht.

Nicht schlecht, Anna, gratuliere ich mir innerlich selber. Der Wind verwirbelt meine Haare und ich fühle mich für einen Moment unbeschwert und kindlich frei. Dieses Gefühl werde ich später mit ins Tal nehmen.

By | 2018-06-06T16:38:24+00:00 August 14th, 2017|ABIOS News Blog, Uncategorized|Kommentare deaktiviert für Anna am Untersberg

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Anton Kesselbacher