Sehr oft wird uns die Frage gestellt „was ist der Unterschied zwischen der Herzfrequenz- (Puls) und der Herz-Raten-Variabilität (HRV)“ oder „was kann eine HRV-Diagnostik was die Pulsmessung nicht kann“?

Die Herzfrequenz- oder Pulsmessung basiert auf der Erfassung der Herzfrequenz/min, das bedeutet, dass damit die durchschnittliche Herzfrequenz pro Minute wiedergegeben wird. Diese Messung liefert gerade für sportliche Aktivitäten eine sehr gute Richtgröße. Für fitness- und sportliche Tätigkeiten können damit sehr genaue Trainingsbereiche vorgegeben werden. Sportler absolvieren dazu Leistungstests wodurch ihre Pulsbereiche für die Zielzonen bestimmt werden.

Anders verhält es sich mit der Herz-Raten-Variabilität (HRV). Diese wird über die Schwankungen zwischen den einzelnen Herztakten bestimmt und kann als Messgröße für körperliche und mentale Belastung und Entspannung angesehen werden. D.h. das Herz eines fitten entspannten Menschen schlägt mit einer bestimmten Schlagvariation und jeder einzelne Herzschlag folgt dabei nicht im selben Abstand zum vorigen, ausgenommen es liegt ein gesundheitliches Problem oder eine sehr hohe körperliche oder mentale Belastung vor. Unter Stress oder mit zunehmendem Alter wird daher der Herzschlag immer gleichmäßiger.

Auslöser für die Schwankungen zwischen den einzelnen Herztakten ist vorwiegend unser vegetatives Nervensystem (VNS). Dieses VNS stellt die Verbindung vom Herz zum Gehirn dar. Dabei kommen über den „Sympathikus“ unseren Leistungsnerv (Gaspedal) Impulse, die das Herz schneller schlagen lassen. Im Gegensatz dazu bremst der Parasympathikus, unser Ruhenerv (Bremspedal) die Herztätigkeit. Da beide Nerven normalerweise im ständigen Wechselspiel sind, variiert unser Herzschlag und es zeigen sich große Schwankungen zwischen den einzelnen Herztakten und somit eine hohe HRV. Erst wenn wir unter Belastung sind und vorwiegend der Sympathikus aktiv ist wir der Herzschlag gleichmäßiger. Der Sympathikus verursacht die Beschleunigung des Herzens wenn es zu körperlichen oder/und mentalen Aktivitäten kommt. Da dieser Tempomacher und auch sein Gegenspieler der Parasympathikus sehr fein reagieren und im Millisekundenbereich die Herztakte verändern kann man über eine HRV-Diagnostik feststellen ob jemand entspannt, konzentriert, gestresst oder körperlich belastet ist. Damit ist die HRV im Vergleich zur Herzfrequenz eine sehr sensible und aussagekräftige Messgröße.

In der grafischen Darstellung sieht man sehr genau den Unterschied zwischen der Information die man über die Herzfrequenz (blaue Linie) und die HRV (Verlauf von lila bis grün) erhält. Dabei wurde von einem Sportler mit eher niedrigem Ruhepuls mit der ABIOS Diagnostik eine HRV-Messung während eines TV-Berichtes gemacht. Die Betrachtung der Auswertung zeigt wie der Anwender auf den Bericht reagiert hat…

Im ersten Drittel liegt die Herzfrequenz bei 53 Puls/min, im mittleren und letzten Drittel bei je 45 Puls/min. Nur bezogen auf den Puls würde man dabei vermuten, dass zu Beginn der TV-Bericht, durch den höheren Puls spannender (belastender) war als im 2. und 3. Teil. Weiß man aber um die Einflüsse von Sympathikus und Parasympathikus Bescheid, dann zeigt sich, dass speziell im mittleren Teil eine sehr geringe Schwankung zwischen den Herztakten gegeben ist. Zu Beginn und am Ende des Berichtes war unser Sportler daher entspannter als im mittleren Teil. Was auch klar über den Farb- und Kurvenverlauf ersichtlich ist. Die Darstellung verdeutlicht auch sehr gut wie schnell ein gesunder Organismus auf leichte Belastung reagiert und danach sofort wieder in den entspannten Zustand kommt. Damit kann über das ABIOS-Verfahren mit einer exakten Vermessung der Herz-Rhythmen sehr schnell bestimmt werden ob eine Aktivität entspannend wirkt oder nicht.

Wichtige Aussagekraft hat dabei auch das Anstiegs-Verhalten der HRV nach diversen Belastungen. Zeigt sich in der HRV nach einer Belastung sehr schnell ein Anstieg, wie im Diagramm – ist alles ok! Dauert es hingegen nach einer Belastung sehr lange Zeit (einige Stunden) bis sich wieder eine hohe HRV zeigt, so ist zu vermuten, dass bereits eine starke Vorermüdung bzw. Überlastung gegeben ist. Kommt es auch nach einer längeren Schlaf- und Erholungsphase zu keinem nennenswerten Anstieg der HRV so liegt vermutlich eine chronische Überlastung mit vegetativer Funktionsstörung vor. Mit der live-Messung kann das sehr genau kontrolliert und je nach Schweregrad auch wieder korrigiert werden. Eine reine Pulsmessung wäre dafür nicht ausreichend und würde gerade im Hochleistungssport oder bei sehr belasteten Personen zu verfälschten Ergebnissen führen.

Die präzise Erfassung der HRV über ein qualitativ hochwertiges Mess- und Interpretationssystem mit übersichtlichen Feedbackfunktion ermöglicht die Kontrolle über körperliche wie mentale Beanspruchungen. Stress kann man messen und Wohlbefinden lässt sich so sicherstellen!